Season 3, Folge 6
Shameless

Emmy Rossum, die in Shameless ganz famos die Rolle der Fiona spielt, kann in Sachen Fernsehweingesichtern mit Claire Danes (Carrie in Homeland) zumindest mithalten, und wenn Fiona dann und wann, wenn höchstens Steve sie sehen kann, doch die Kräfte verlassen, die sonst die Tränen der Überforderung zurückhalten, würde man gerne aufstehen, sich anziehen und ihr sofort zu Hilfe kommen, um die vom Jugendamt eingesackten Kinder wiederzufinden, um das Haus aufzuräumen, um ein bisschen Ordnung in das Chaos zu bringen, das sich bei den Gallaghers einfach nicht wegdrücken lässt.

Aber Shameless wäre ja nicht shameless, wenn es nur auf Sozialromantik setzte, um seine Zuschauer bei Laune zu halten. Erstens, weil sich die Gallaghers, fast schon beschämend unkaputtbar, ohnehin immer irgendwie zu helfen wissen. Und zweitens, weil die Serienschreiber offenbar den ganz argen Spaß scharf entlang der Grenzen des guten Geschmacks finden.

Richtig, es geht mal wieder um Sex. Um den Sex von Kev und Vs Mutter, die im Namen der großen Liebe für V von Kev schwanger werden soll, um den Sex von Ian und Mandys Bruder und den Sex von Mandys Bruder mit der von seinem homophoben Brutalovater bezahlten Prostituierten, bei dem der zuvor vom Brutalovater verprügelte Ian zusehen muss. Das alles ist etwas viel. Das ist so brutal und bäh und nicht doch, dass man gerne aufstehen, sich anziehen und sofort irgendwem zu Hilfe kommen will, nur um das nicht mehr sehen zu müssen. Nur um so Pseudoplots, wie die plötzlich wieder verschwundene Mandyschwester, die eigentlich ein Bruder ist, oder Karens Babyvater, der Sheila jetzt doch das Kind wegnehmen will, nicht akzeptieren zu müssen. Aber man bleibt dabei, weil es Shameless ist, weil es die Gallaghers sind und weil man glaubt, dass jeder von ihnen es schaffen kann, dem Moloch zu entkommen und unbedingt dabei sein will, wenn es soweit ist.

Vielleicht entkommen sie nächste Woche zumindest dem Versagervater Frank, neuerdings auch Verräter: Denn er war es, der anonym beim Jugendamt angerufen hatte. Und knapp vorm Heulen, als sie seine Stimme auf der Tonbandaufnahme erkennt, scheint Fiona nicht so, als würde sie ihn damit durchkommen lassen.