Season 3, Folge 8
Homeland

Die Exegese der Homeland-Episodentitel gerät zunehmend zu einem Kurs in amerikanischer Lyrik: „A red wheelbarrow“, nach Williams Carlos Williams:

so much depends
upon

a red wheel
barrow

glazed with rain
water

beside the white
chickens

Wer ist nun die „rote Schubkarre“? Carrie, die alle Handlungsstränge zusammenhält, während die weißen Hühner daneben tun, was Hühner eben so tun (schreien, flattern)?

So much depends...

Javadis Hinweis, der Konstrukteur der Langley-Bombe befände sich noch immer in den USA, verkompliziert das bereits fragile Gefüge der Geheimoperation um Javadi noch mehr. Denn ausgerechnet Javadis ehemaliger „Anwalt“, der zwielichtige Bennett, soll über den Aufenthaltsort des Bombentüftlers Bescheid wissen. Sauls Partner Dar warnt Bennett – in voller Absprache mit Saul – vor, dass die CIA eine Untersuchung von dessen Aktivitäten plane. Daraufhin kontaktiert Bennett Carrie, deren Cover als abtrünnige und verstoßene Ex-Agentin noch immer intakt ist. Bald setzt sich das Zahnrad in Bewegung, wie gewünscht führt Bennets nichtsahnender Partner Franklin die CIA direkt zum Bombenleger.

Red Wheelbarrow

Doch entgegen Dars und Carries Erwartungen scheint es, als ob Franklin den Konstrukteur ermorden möchte. In typischer Carrie-Manier stürmt diese los, um Franklin aufzuhalten – könnte der Bombenbauer doch Brodys Unschuld beweisen. Damit gefährdet sie aber das gesamte Gefüge: Stoppt sie Franklin, verliert sie ihr Cover, damit wird aber auch Javadi als Doppelagent enttarnt. Das weiß Dar, der befiehlt, Carrie aufzuhalten. Das weiß auch Quinn, der Gott sei Dank die Dimension von Carries Intervention erkennt – und auf sie schießt. Ein entscheidender Moment in Homeland, der einiges an Glaubwürdigkeit bringt. Carrie überlebt natürlich, so viel Präzision kann man Quinn schon zutrauen.

Rain Water

Vorangetrieben wird indes auch der Plot um Carries Schwangerschaft: Sie lässt Untersuchungen vornehmen, bespricht sich mit der Ärztin. Etwas irritierend ist der Umstand, dass die Möglichkeit einer Abtreibung in der gesamten Folge kein einziges Mal erwähnt wird. Nun gibt es immer wieder Spekulationen über die politischen Ansichten der Homeland-Macher (vor allem bezüglich ihrer früheren Serie 24), die sich irgendwo zwischen John McCain und Tea Party einordnen lassen sollen. Kann schon sein. Auf mich machte Carrie bislang den Eindruck, dass ihre Arbeit uneingeschränkt Priorität hat. Und dass sie weiß, wie dramatisch es wäre, mit einem emotional instabilen Elternteil aufzuwachsen. Jedenfalls scheint die Schwangerschaft als Motiv eingeführt worden zu sein, um Carrie neuen Impetus für den Beweis von Brodys Unschuld zu liefern.

White Chickens 

Unterdessen beendet Mira ihre Affäre, um ihrer Ehe mit Saul eine zweite Chance zu geben. Von allen unbemerkt, entpuppt sich Miras nun geschasster Liebhaber als Spion, der sofort Mira (und Sauls!) Computer manipuliert. Etwas hanebüchen: Wenn Saul tatsächlich wichtige Dokumente auf seinem PC hätte, würde der Zugang zu diesem wohl besser kontrolliert werden. Außerdem wurde uns doch weisgemacht, Mira hätte ihren Lover in Indien kennengelernt, als sie in Trennung von Saul lebte. Wie hätte dieser je sichergehen können, dass die beiden wieder zusammenrücken?

Die Zukunft 

Die restlichen vier Folgen werden sich primär um den Mann drehen, den wir am Ende dieser Episode endlich wiedersahen – Brody. Der, mittlerweile mehr (heroin-)tot als lebendig, wird nämlich von Saul aus Caracas geholt. Das eröffnet Raum für Spekulationen: Plant Saul, Brodys Heimkehr öffentlich zu machen, um die dann sicher scheinenden Lorbeeren doch noch in einen Job als CIA-Direktor umzuwandeln? Wie reagiert Brodys Kindsmutter Carrie? Kann Saul tatsächlich einen relativ friedlichen „regime change“ im Iran bewirken? Noch sechsmal schlafen.