Season 3, Folge 7
Homeland

Das Klügste an dieser Episode ist ihr Titel: Gerontion, nach einem Gedicht von T.S. Eliot. Darin heißt es:

History has many cunning passages,
contrived corridors
And issues, deceives with whispering ambitions,
Guides us by vanities - Think now

Zeilen, die ganz klar auf Saul, Javadi, Dar und Lockhart gemünzt sind. Doch leider kann man sie ebenso als ungewollte Pointe gegen die Homeland-Macher verwenden, deren Intention es ganz offensichtlich ist, die Serie in dieser Staffel zu einem Spionage-Kammerspiel zu erheben. Das funktioniert aber leider nur, wenn

...die Logik dabei nicht auf der Strecke bleibt,

...die Charaktere vielschichtig und doch nachvollziehbar agieren

...und großartige Dialoge vorkommen.

In allen drei Punkten scheitert Homeland leider grandios. So arbeiten die Autoren mit Hochdruck daran, Sauls Persona nach und nach zu zerstören. War Saul in den ersten beiden Staffeln noch der gute Lodsch, der alles besser wusste, wirkt er mittlerweile wie eine Karikatur seiner selbst. Der amtierende CIA-Direktor kommt eine Woche nicht ins Büro, um eine Geheimmission durchzuführen? Und sperrt seinen künftigen Nachfolger, einen US-Senator (!), in einem Konferenzraum ein? Nur weil dieser den US-Präsidenten (!) über Sauls Geheimmission informieren möchte?

Oder nehmen wir Sauls Spiegelung, Dar. Der erfahrene Spion wird ganz offensichtlich als dubioses Schlitzohr inszeniert. Was bleibt, ist allerdings der Eindruck eines wirren alten Mannes, den man nicht versteht. Und Lockhart, der eingesperrte CIA-Direktor in spe? Wiederholt pausenlos seine Allgemeinplätze und wirkt dabei wie ein Tea-Party-Guerillero, der zu Reflexion und Einsicht nicht fähig ist.

Kreativität: Mangelware

Platte Charaktere gibt es im Überdruss: Da wäre noch Fara, die kopftuchtragende Agentin; die nicht mit Sauls Entscheidung, Javadi zu rekrutieren, fertig wird. Vielmehr sollte Javadi der Prozess gemacht werden - gerade aufgrund seiner Verbrechen gegen das iranische Volk. Leider wissen sich die Homeland-Macher nicht anders zu helfen, als Faras Wut dadurch darzustellen, dass diese aggressiv eine Schere in die Hand nimmt (!) als Javadi vorbeigeht. Klischee, Klischee.

Was ansonsten passiert ist:

Quinn wurde kurz vor Javadis Doppelmord von einer Sicherheitskamera gefilmt und ist daher hauptverdächtig. Als Ablenkungsmanöver gesteht er gegenüber der Polizei den Mord, da er aufgrund seines Agentenstatus ohnehin nicht belangt werden kann. Anschließend gesteht Quinn erneut: Er ist überzeugt, dass die CIA alles nur noch schlimmer mache und möchte aussteigen. Doch Carrie bittet ihn, ihr ein letztes Mal zu helfen.

Denn kurz zuvor erzählt Javadi Carrie, dass er Hinweise für Brodys Unschuld am Langley-Attentat habe: Der Terrorist, der die Bombe gebaut habe, lebe noch immer in den USA. Wenn Carrie ihn fände, könnte sie Brody rehabilitieren. Ein letzter Racheakt Javadis an Saul, der ihn zuvor gefragt hatte, ob Brody wirklich schuldig sei? 

Sauls Frau betrügt Saul. (Gähn!) „Interessant“ an der Szene ist wohl, dass Saul nicht einmal bemerkt, dass ihn seine Ehefrau hinters Licht führt - womit wir wieder bei der kuriosen Charakterentwicklung wären.

Die Brodys kommen nicht vor. Ein Pluspunkt für die Episode.

 

Bitte ein spannendes Finale. Bitte!

Bleibt zu hoffen, dass die Autoren in den verbleibenden Episoden wenigstens für mehr Nervenkitzel sorgen werden. Das war immerhin der große Reiz am Quasi-Vorgänger „24“: Sinn machte diese Serie nie, aber sie war einfach wahnsinnig spannend. Nur noch sechsmal schlafen.