Season 3, Folge 4
Homeland

Okay, Homeland, wir haben da ein Problem.

Ein Glaubwürdigkeitsproblem, und bevor wir darauf eingehen können, ein kleiner Hinweis: Wer die ersten drei Folgen der dritten Staffel noch nicht gesehen hat, aber noch sehen will (ok, Folge drei könnt ihr getrost auslassen, außer ihr vermisst Brody), sollte jetzt eher nicht weiterlesen.

Folge vier kommt wieder ohne Brody in Caracas aus (was gut ist), dafür spielt Saul eine größere Rolle (ebenfalls gut) und der Fokus bleibt auf Carrie (okay) und Dana (mittelokay). Carrie ist nach wie vor in der psychiatrischen Klinik, macht aber Fortschritte, obwohl sie immens fahrig durch die Gänge stürzt. Ihre Ärzte, Betreuer und ihre Anwälte sind der Meinung, sie könne die Klinik verlassen, der dafür zuständige Richter aber sagt: Nix da. Carrie sei ein Risiko für die öffentliche Sicherheit, ihm seien die Hände gebunden. Völlig zermürbt schiebt Carrie das auf die CIA, auf Saul, auf eine Verschwörung gegen sie.

Der Iraner im Hintergrund    

Eine halbe Stunde später kann sie gehen. Die Anwaltskanzlei, die schon vergangene Woche versuchte, mit ihr in Kontakt zu treten, hat sie rausbeboxt. Was sich nach Freiheit anhört, fühlt sich schnell anders an: ihre Konten sind gesperrt, ihr Auto ist weg. Carrie übernachtet bei einem Typen, der Kontaktmann des Anwalts passt sie dort am nächsten Tag ab. Sie willigt ein, mit dem Anwalt zu sprechen.

Das Gespräch ist eine tolle, langsame Sequenz, der Kampf, den Carrie mit sich selbst führt, ist glaubwürdig, ihr schnelles Einwilligen aber nicht. Sie will den Iraner, der offenbar die Anschläge auf die CIA finanzierte und hinter dem Saul und seine neue Mitarbeiterin nun sehr konkret her sind, nun doch treffen. Sie soll ihm verraten, wie seine Mittelsmänner von der CIA gefunden wurden. Carrie bekommt Geld.

Und läuft zu Fuß zu Saul, der sie in die Arme schließt und ihr gratuliert. "You're so brave".

Wie jetzt? Die ganze Kliniksache war nur ein Spiel? Nur ein Trick, um an die Finanziers des Anschlags auf die CIA heranzukommen? Ist das nicht ein bisschen gar abenteuerlich?

Sauls Aussage vor dem Kongress, die Zeitungsartikel zu Carries Verhältnis mit Brody, die ganze CIA-Führungsriege gegen sie? Die Einweisung, nach der dann ebenfalls alles nach Plan läuft, die ärztlichen Gutachten, die Betreuer, der Richter? Die Klinik, die sich bestechen lässt? Und wie überhaupt haben sie wissen können, dass die Iraner versuchen würden, Carrie zu "drehen", wenn der Plot dafür schon viel früher einsetzte als mit dem Niedermetzeln der sechs weiteren Finanziers?

Sorry, aber das ist uns alles ein bisschen zu steil.

Parallel dazu büchst Dana mit ihrem neuen Freund im Auto ihrer Mutter aus, die vor Sorge vollkommen krank wird, sich aber – Hochachtung – enorm gut hält. Sogar dann, als die Eltern des Jungen Dana als "schlechten Einfluss bezeichnen", denn "wir wissen wer sie sind, Ms. Brody". Jess' Sorgen werden nicht kleiner, als sie erfährt, dass der Knabe gar nicht mit den Folgen des Selbstmords seines Bruders zu kämpfen hat, sondern er dessen Mörder war. Dana aber fühlt sich sicher. Sie zeigt ihrem Freund den Militärstützpunkt, an dem Brody sich damals verabschiedet hatte, als er nach Afghanistan ging. "This was the last time that he didn't lie to me."


Noch sechs mal schlafen.