Season 3, Folge 3
Homeland

Es gibt in dieser Folge eine unheimlich starke Sequenz, die mit der Handlung selbst gar nicht gigantisch viel zu tun hat, als Symbol aber gut funktioniert. Sie beginnt nach etwa zehn Minuten mit einer Außenansicht auf eine löchrige Mauer, die etwa ein Drittelstockwerk ausmacht, brüchige Ziegel, nur lose übereinandergelegt. Hinter diesem Mäuerchen befindet sich Brody.

Dann zoomt die Kamera aus, weitere Stockwerke werden sichtbar, und schnell wird klar, dieses eine, zertrümmerte Zimmer ist kein Einzelfall. Hier steht ein ganzes Hausskelett, ohne Fenster, ohne Balkone, nach allen Seiten offen. Ein Hochhaus ist es, und es steht mitten in Caracas, der Hauptstadt Venezuelas. Dieses Haus ist Brodys Versteck, es wird aber auch sein Gefängnis.    

Wir wissen nicht, wie er nach Venezuela gekommen ist, aber wir wissen, dass er schwer verwundet von einer Miliz gerettet und in dieses Haus gebracht wurde. Ihr Anführer erwähnt Carries Namen, aber nicht, was sie mit der Aktion zu tun hat. Wie Brody wissen wir nicht, wie gut oder böse die Menschen sind, die das Haus besetzt halten. Dass sie den Dieb von Brodys Pass einfach in die Tiefe werfen, nachdem Brody die Verdächtigung bestätigt, deutet auf nichts Gutes hin.

Medizin und Heroin

Carrie sitzt unterdessen in der Klinik fest. Es scheint ihr nicht besser zu gehen, sie ist fahrig, nervös, ungehalten. Unbedingt will sie mit Saul sprechen, doch Saul lässt sich nicht blicken. Was will sie überhaupt? Zurück zur CIA? Ein drittes Mal wird das kaum gehen. Saul Brodys Unschuld vertickern? Die ahnt er sowieso und vertickert hat sie ihm das mehr als einmal. Mit Saul einen neuen Lebensplan entwerfen? Schon eher. 

So aber sieht man nur, wie sie regelmäßig durchdreht, das Klinikpersonal überfordert. Hier werden die Parallelen zu Brody gezogen: Auch er sitzt fest, sucht Heilung, ist geschwächt, braucht Hilfe. Während Carrie sie in der Form von Psychopharmaka bekommt, wird Brody Heroin gespritzt. Von einem "Arzt", der die bisher gespenstischste Figur der Serie darstellt. Er spricht, wie in Theatern oft der Teufel spricht: geschliffen, süffisant, geheimnisvoll. Er entschädigt für die eher nervige Konstellation der zwei Schauplätze und zweier vollkommen entstellter Protagonisten. Ganz ohne Hintergedanken hat die Serie bisher solche Dinge jedoch nicht eingeführt. Also: mal schauen.


Noch sechs mal schlafen.