Season 2, Folge 11
Homeland

Ok, Homeland, nicht, dass unsere Beziehung nach der letztwöchigen Folge wirklich auf Dauer keine Chance gehabt mehr hätte, aber mit Folge 11 habt ihr uns in jedem Fall wieder versöhnt. Die Spannung, die Verwicklungen und Entwicklungen waren wieder halbwegs nachvollziehbar (mit einer Ausnahme). Zurück war vor allem aber die große Kraft, die diese Serie aus der Intimität zieht, mit der sie ihre Figuren zeigt. Nicht die Draufsicht der Kamera auf Brodys terroristische Handlungen ist es, was uns fesselt, sondern ihm dabei zuzusehen, wie er mit all dem Drama im Rücken mit Carrie umgeht, wie er mit seiner Frau und seinen Kindern interagiert – kurz, wie er damit lebt. Homeland kann das Kammerspiel nicht immer gleich gut, das haben wir in der zweiten Staffel schon ein paar Mal festgestellt. Aber wenn es aufgeht, dann entstehen da Fernsehmomente, die selbst in anderen tollen Serien ihresgleichen suchen.

Was ist passiert? Carrie konnte vor Abu Nazir aus dieser stillgelegten Fabrik fliehen, das FBI und Peter leiten den Einsatz, ihn zu finden, doch Nazir bleibt verschwunden. Auf Peters Frage, wie sie entkommen konnte, sagt Carrie: „Ich hatte eben Glück.“ Und das überrascht dann doch. Ja, sie liebt Brody und ja, sie schützt ihn damit, weil sie verschweigt, dass ihr Überleben davon abhing, dass Brody Vicepresident Walden tötet. (Ein fast schon satirischer Moment übrigens, als Jess Brody erzählt, Waldens Frau sei froh gewesen, dass Brody bei ihm gewesen sei, als ihr Mann starb). Aber dennoch hat Carrie bisher immer das Berufliche über das Private gestellt. Saul wird unterdessen einem Lügendetektor-Test ausgesetzt, der zum Ziel hat, ihn zum Komplizen jener Terroristin zu machen, die sich mittels seines Brillenglases im Gefängnis umgebracht hatte. Estes will Saul loswerden. Carrie will, ganz Carrie, Nazir unbedingt finden. Bevor die letzten Leute abgezogen werden, gibt sie noch einmal den Auftrag, alles zu durchsuchen. Sie finden ihn. Die Nachricht von Nazirs Tod droht erreicht Brody im Kreise seiner entnervten Familie, die nun wieder in ihr eigenes Haus ziehen darf. Doch die Ehe von Jess und Brody scheint am Ende, und selten waren die Szenen dieser Ehe von solcher Intensität wie bei ihrem Abschied. Dann fährt Brody zu Carrie.

Die großen Fragen: Was passiert beim Staffelfinale nächste Woche, wo der Terrorpate, der die ersten beiden Staffeln von Homeland dominiert hat, doch tot ist? Und wie kann es danach mit Homeland weitergehen, wenn das zentrale Element – die Angst vor dem Terror – fehlt? Verlagert sich nun alles in ein Intrigenspie innerhalb der CIA zwischen Estes und Peter auf der einen Seite, Saul und Carrie auf der anderen? Und Brody wird zur Schlüsselfigur, weil er Estes stürzen kann? Noch sechs Mal schlafen.