Alejandro Bonsai – Bonsai

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So beginnt der Debütroman des chilenischen Autors Alejandro Zambra, und so lapidar geht es auch weiter. Nur 89 Seiten braucht er, um die Liebesgeschichte von Emilia und Julio zu erzählen, die aber nach rund einem Drittel schon wieder vorbei ist. Emilia geht von Santiago de Chile nach Madrid, wo es ihr nicht besonders gut geht. Julio schlägt sich irgendwie durch, will Schriftsteller werden oder zumindest das Manuskript eines bekannten Schriftstellers abtippen, in dem ein Mann herausfindet, dass seine Freundin aus Jugendtagen gestroben ist.

Irgendwann beginnt er einen Bonsai zu züchten, so wie das Paar in einer Geschichte, die er mit Emilia gemeinsam gelesen hat, eine Pflanze züchtet und dabei bemerkt, dass ihre Liebe vorbei sein wird, wenn diese Pflanze stirbt. Und irgendwann erfährt er von Emilias ehemaliger Mitbewohnerin, die sich ganz ins Bürgerliche geflüchtet hat, dass Emilia sich umgebracht hat.
 

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Sehr viel mehr passiert nicht. Furchtbar unterhaltsam und rührend, mit sprachlicher Leichtigkeit und gut gesetzter Distanz entsteht die traurige Liebesgeschichte zweier junger Erwachsener, von denen der eine liebt, der andere aber nicht mehr. Sie erzählt von der Wirkung von Literatur, und klar sagt sie manchmal "ach", lange seufzt sie aber nie,  trotz all des Adoleszenzschmerzes bleibt sie unsentimental. Der ebenfalls großartige Autor Junot Díaz nannte Bonsai den "absoluten K.o.-Schlag!" – man merkt ihn halt nicht gleich, so sanft streckt er einen nieder.

 

Alejandro Zambra: Bonsai Übersetzt von Susanne Lange, Suhrkamp, 2015.