Martin Amis – Money


Fielding, my moneyman, my contact and my pal. He's the reason I'm here. I'm the reason he's here too. We're going to make lots of money together. Making lots of money – it's not that hard, you know. It's overestimated. Making lots of money is a breeze. You watch.

S. 19
 

Amis


Okay, es ist nicht besonders originell, nach Émile Zolas Das Geld nun Money. A suicide note von Martin Amis zu lesen, es ist auch nicht besonders originell, das Buch sehr super zu finden, weil das seit seinem Erscheinen im Jahr 1984 sehr viele Menschen immer wieder getan haben, und noch weniger originell ist es, beim Lesen eine andauernde Nostalgie zu empfinden, tagelang über deren Ursache zu grübeln und keine bessere Erklärung hinzubekommen, als dass sich John Self, der Protagonist und Erzähler des Romans, dieses unglaubliche, parvenuhafte Geldarschloch so unfassbar gut verachten lässt, aus tiefstem Herzen heraus hassen lässt, was bei den heutigen Geldarschlöchern ja so verdammt schwer fällt. Kaum zu fassen sind die. Ständig verschwinden sie gesichtslos in ihren grauen Kapuzenpullis, in ihrem aschfahlen Bessere-Welt-Geschwafel und ihren 10-Millionen-Dollar-Villen, in denen sie dann Thanks Giving feiern, mit den Schwiegereltern und dem Bio-Truthahn aus Tofu, maximaler Schweinekram halt. 

Good Money (US), Bad Money (UK)

John Self jedenfalls ist fett, säuft, hurt herum, ist körperlicher Gewalt nicht ganz abgeneigt, braucht Pornos und dreht Fernsehwerbungen für Fast Food und Alkohol, bis die Sache mit dem Film beginnt. Good Money soll er in den USA heißen, Bad Money in Großbritannien, und es gibt Phasen, ich betone das, da bin ich das feinfühligste Wesen der Welt, jetzt aber traf das ganz genau meinen Humor; Martin Amis, you got me.

Der Film jedenfalls soll John Self, den Regisseur, und Fielding, den Produzenten, endlich reich und seine Stars noch reicher, berühmter und ihre Eskapaden noch besser zu argumentieren machen. Self pendelt zwischen London und New York, zwischen seiner Freundin Selina, die endlich ein gemeinsames Konto will, und seiner Freundin Martina, die dauernd will, dass er irgendwelche Bücher liest. Er pendelt zwischen den kapriziösen Schauspielern, der kapriziösen Drehbuchschreiberin, den kapriziösen Geldgebern und dem Londoner Autor Martin Amis, der zwar nicht kapriziös ist, aber zumindest unsympathisch.

Frank the Phone

Dazwischen bekommt er anonyme Drohanrufe und einen Haufen Probleme, besucht seinen Vater und dessen Pornodarstellerinnen-Frau, rauft sich durch Pubs und Bars, durchblickt die Sache mit Geld, Macht und Kultur trotz laufender Shakespeare-Referenzen nicht. Am Ende, klar, verliert er alles, total spektakulär, die Freundinnen und das Geld und den Film. Fielding, der alte Hund, hat ihn reingelegt, alles war ein Schwindel, er ist auf die golden glänzende Geldkarotte hereingefallen. Am Ende ist nicht einmal sein Vater wirklich sein Vater, wobei das vielleicht noch das beste an der Sache ist.

Money doesn't mind if we say it's evil, it goes from strength to strength. It's a fiction, an addiction, and a tacit conspiracy.

Das ganze kann man schnell lesen, als unterhaltende Satire auf die 1980er-Jahre abtun, als eine Zeitreise zu Thatcher und Reagan und all den unanständigen Leuten, die Dinge wie "I'm addicted to the 20th century" sagen oder unanständige Dinge tun, die heute nur noch Miley Cyrus tun darf, weil es bei US-Kinderstars ja zum Programm gehört, mal popkulturmäßig geschult durchzudrehen und es so richtig krachen zu lassen, vorausgesetzt, eine Kamera ist dabei oder Twitter oder anderer Schweinekram.

Die Sache mit der Sprache

Was Money aber weit über den Zeitgeist hinaushebt, was es auch vor jedem Anflug von billiger Moralisierung des Geldwahns schützt, ist die Sprache, die Amis für seinen Erzähler gefunden hat. Die Sprache ist überbordend und erfinderisch, schnell und gestochen scharf, voller Zweizeiler, die man sich herausschreibt und dann doch wieder vergessen wird. Das große Kopfschütteln vor der Welt steckt hier in einem sprachfunkeligen Glitzerfummel, zusammengehalten von Amis beißendem Witz, von dem ich im Original bestimmt nur einen Bruchteil mitbekommen habe.

Nicht einmal ich blieb aber blind für die Sicht, die Amis auf die Dynamik des Geldes und das Dräuen einer konsumfanatischen Zeit freilegt. Sie hält immer noch an, auch wenn die Geldarschlöcher heute anders aussehen, anders klingen, anders leben und wahrscheinlich auch andere Witze machen. Zumindest öffentlich. 

Standing in the nordic nook of the kitchen, I can gaze down at the flimsy-limbed joggers heading south towards the Park. It's nearly as bad as New York. Some of these gasping fatsos, these too-little-too-late artists, they look as though they're running up rising ground, climbing ground. My generation, we started all this. Before, everyone was presumably content to feel like death the whole time. Now they want to feel terrific for ever.

 

Martin Amis: Money. Gigantisch grün leuchtende Jubiläumsausgabe von Vintage Books. Auf Deutsch unter dem Titel Gierig übersetzt von Eike Schönfeld bei dtv erhältlich.