James Salter - A Sport and a Pastime


Philip Dean ist 24, ein Amerikaner, der sein Studium in Yale abgebrochen hat und vor allem auf Kosten seines Vaters im Frankreich der 1960er Jahre lebt. In Autun lernt er Anne-Marie kennen, 19, eine Verkäuferin aus einfachem Haus. Gemeinsam reisen sie durch Frankreich, fahren so schnell, dass Anne-Marie schwindlig wird, durch Kleinstädte, essen in mittelklassigen Restaurants, quartieren sich in unprätenziösen Hotels ein, und schlafen miteinander. Sie haben nichts außer sich selbst und die Zeit, die ihnen Deans Geld verschafft. Ihre Herkunftswelten überschneiden sich nie, sie tangieren einander nicht einmal. Ihre Welt gehört nur ihnen, in Tagen voller Sex, voller Streunen und Staunen und Schweigen. Sehr viel zu sagen haben sie sich nämlich nicht immer.

“She looks into the bathroom. She finds it perfect. Dean is annoyed. A wave of uncertainty comes over him. The afternoon begins to seem ominous. It has an emptiness he suddenly cannot think how to fill.”
(S. 81)

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Salter lässt ihre Geschichte von einem Fotografen erzählen, der dem Pariser Trubel nach Autun entflohen ist. Er lernt den rastlosen Dean kennen, er trifft Anne-Marie und erkennt ihre Schönheit. Er erkennt sie mit der Wehmut, die das Alter mit sich bringt, in dem man bemerkt: die Jungen, das sind die anderen. Als Erzähler berichtet er, was er weiß, vor allem aber, wie er sich die vielen Lücken seines Wissens um die beiden vorstellt. Er ist also kein Erzähler, auf den irgendwie Verlass wäre. “A Sport and a Pastime” ist mindestens ebensosehr ein Buch über die Vorstellungen von einer Beziehung, die in dem Moment, in dem sie entsteht, einfach ist und absolut ist, wie über den großen Wunsch, dass eine Beziehung eine geschützte, andere Welt in der Welt darstellen soll, und eine Geschichte über das Paar selbst.
Immer wieder schwingt die Melancholie des Erzählers mit, der ahnt, dass dieser naiv-glücklichen Verbindung ein Ende bestimmt ist. Immer wieder schwingen die Fragen mit, was Liebe und was Leidenschaft ist, wo es eine Grenze zwischen beiden gibt und wo nicht.

Vielleicht liegt es auch am Sommer, an den weiten Tagen, die keinem bestimmten Ablauf folgen müssen, die als einziges Ziel einen neuen Übernachtungsort haben; vielleicht liegt es auch an den Hotelbetten der Reise, an ihrer Fremdheit, in der man das Vertraute umso genauer spürt und die so gut zu diesem Buch passt. Ganz sicher aber liegt es an Salters Sprache, dass es ein großes Glück war, diesen Roman zu lesen. Ein Glück, zu beobachten, wie auf überwältigende Extase (die Salter direkt, unverschämt, aber niemals plump beschreibt) eine stille Leere folgt, die Angst macht, weil sie so unerwartet kommt, weil sie die Frage aufwirft: ist das jetzt Liebe, kann das Liebe sein? Es ist beeindruckend, mitzuverfolgen, wie zwei Menschen miteinander verbunden sind, aber fast fürchten, einander besser zu verstehen, als es die Sprachkenntnisse der Französin und des Amerikaners erlauben. Das große Einverständnis, das sie in den Hotelbetten empfinden, müsste sich dann noch mehr an der Wirklichkeit messen – die sie schließlich auch einholt.

 

James Salter: A Sport and a Pastime. Farrar, Strauss and Giroux, New York, 185 Seiten. Erstmals erschienen 1967.

Auf Deutsch übersetzt von Beatrice Howeg, Berlin Verlag 1999. Im Oktober wird die deutsche Übersetzung als Taschenbuch neu aufgelegt, kurz nachdem Salters neuer Roman - der erste seit 34 Jahren – auch auf Deutsch erscheint.

James Salter, Alles was ist

James Salter, Solo Faces