Hipstertown Folge 5
The Williamsburg Zoo

Stell dir vor du wohnst in Hipstertown, dann kann dir das in diesen Tagen ganz schön auf die Nerven gehen. Es ist nämlich nix los in Hipstertown, weil es nämlich kalt ist und nass, niemand hängt mehr rum auf dem Karmelitermarkt, noch nicht einmal die Literaten, weil man vor dem Madiani - weil kalt - nicht mehr sitzen kann, und im Madiani - weil Rauchverbot - auch nicht. Gewöhnt euch dran, es ist Herbst, es ist nix los in Hipstertown, so schaut es aus.

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Andererseits ist das natürlich für die Hipstertowner auch ganz gut. Im Herbst verschwinden alle, die Hipstertown in den vergangenen Monaten zum Williamsburg Wiens gemacht haben. Die Italiener, die sich mit ihren Rucksäcken um die letzten Plätze vor der Mari prügeln; die Spanier, die der Lonely-Planet angeschleppt hat; die deutschen Sparefroh Mamas & Papas, die bei Meiningers absteigen wenn sie ihre Publizistikstudenten-Kinder besuchen; sogar die Naschmarkt-Touristen und Yppenmarkt-Flüchtlinge sind weg. Weil im Herbst ist Williamsburg ungefähr so sexy wie Siebenhirten.

Und die Williamsburger sind wieder allein. Genießen den Freiraum. Und die Aussicht.

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Ist das nicht schön? Doch. Es ist schön. Und toll. Im Herbst ist Hipstertowner wieder ganz er selbst. Ungestört. Ohne Touristen. Er lebt sein Leben, alles geschieht nach seinem gewohnten Gang, er ist, ganz unbeschwert, endlich wieder Hipstertowner. Weil er ist unter sich.

Aber schaut doch nochmals genau hin. War da nicht etwas? Ein leichtes Anzeichen dafür, dass in diesem Jahr auch der Winter nicht mehr so ist wie er einmal war? 

Ja doch.

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Seit neuestem fährt ein Bus nach Hipstertown. Immer wieder. Alle 30 Minuten. Hipstertown liegt jetzt auf den Bustouristen-Routen. Weil die Touris Hipsters schauen wollen. 

Ein bisschen wie im Zoo.