Text - markus huber, christian seiler
  

Die Gewalt
"Mit den Hells Angels habe ich eindeutig mehr Spaß als mit ein paar Dichtern." 

Fleisch: Wir würden gerne noch über einen anderen Thomas Glavinic sprechen. Über diesen martialischen Typen mit Lederjacke und kahl rasiertem Kopf, der so gerne mit einem noch martialischeren Anwalt auftritt und über sein Faible für Hooligans und Kampfsport spricht. Inszenierung?

Glavinic: So viele Missverständnisse und Fehlinterpretationen. Ich trete nicht auf – ich gehe einfach außer Haus, so wie jeder andere Mensch auch. Auftritt klingt nach Theater, nach Bühne, ja, nach Selbstinszenierung, die mir manchmal vorgeworfen wird. Aber ich inszeniere mich nicht. Das machen einige Schauspielerinnen, die ich kenne, und das hat Falco gemacht, der sich zur Kunstfigur erklärt hat. Aber ich? Mir wäre das viel zu anstrengend. Ich kann nur verlieren, wenn ich nicht authentisch bin. Für eine Selbstinszenierung wäre ich erstens zu ehrlich und zweitens zu faul. Es geht mir offen gesagt auf die Nerven, wenn mein ganz normales Leben von anderen gewissermaßen als Fake bezeichnet wird. Ich nehme an, in so ein Denken rutscht man, wenn man selbst ein eher ereignis- armes Leben hat, weswegen man sich nicht vorstellen kann, dass jemand wirklich so lebt. Ich kümmere mich zugegeben auch nicht wahnsinnig darum, was andere von mir denken. Gut, ich bin nicht klein. Ich neige zu einer ge­wissen Direktheit, und ich habe keine Scheu vor Auseinandersetzungen. Aber so war ich immer. Es war da, wo ich herkomme, einfach notwendig. Dabei macht mir Streit eigentlich keine Freude. Ich bin keiner von denen, die Streit suchen oder sich von der Energie eines Streits nähren. Ich finde körperliche Gewalt im Grunde widerlich. Ich be­- treibe Wing Tsun ja auch, um brenzlige Situatio­nen eben nicht eskalieren zu lassen.

F: Trotzdem: Sie haben ja nicht immer so ausgeschaut.

G: Sie meinen die Frisur? Die abgeschorenen Haare? Das passierte an meinem 35. Geburtstag, weil ich eine Amtskappenglatze bekam und mir dachte, so geht das nicht weiter. Ich finde, dass mir die Glatze, so wie sie jetzt ist, passt. Schöner werde ich nicht.

F: Gut, Sie schauen aus, wie Sie ausschauen, das ist jetzt weiß Gott nicht außergewöhnlich. Aber andererseits auch schon, nicht viele Dichter jenseits von Brecht schauen so aus. Und dann gibt es da diesen Freund, der genauso ausschaut.

G: Ja, das stimmt. Nebeneinander sind wir ein sehr kurio­ses Duo.

F: Und dann ist der auch noch der Anwalt von sehr viel mehr Typen, die so aussehen wie Sie beide.

G: Die im Übrigen tatsächlich so sind, wie wir ausschauen. Das muss man so sagen, ja. F: Und dann haben Sie offenbar noch ein Nahe­- verhältnis zu Rapid und zu den Ultras. Also diese Welt der Gewalt und der Schmerzen, der Archaik und der Abgründe, die liegt Ihnen offenbar sehr am Herzen. ...


Das vollständige Gespräch gibt es in Fleisch Nr. 39, jetzt im Zeitschriftenhandel oder über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
 

Erschienen im Herbst 2016
Share