Text - Markus Huber, Christian Seiler
  

Der Rausch
"Ich muss mich an den Gedanken gewöhnen, fast gestorben zu sein." 

Fleisch: Als wir die Termine für dieses Gespräch vereinbarten, erreichten uns von Ihrer Seite ziemlich beunruhigende Nachrichten. Sie könnten aus medizinischen Gründen kein Gespräch führen, Sie seien ohnmächtig geworden, Sie seien mehrere Stunden im Koma gelegen. Was war los?

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Glavinic: Wir sprechen hier von zwei verschiedenen Ereignissen. Am Morgen vor unserem ersten geplanten Termin, also vor über zwei Wochen, war ich ohnmächtig geworden und das gut zwei Stunden geblieben. Vor ein paar Tagen bin ich am Morgen nach einem Fernsehauftritt wieder umgefallen, allerdings in einem dramatischeren Zustand. Meine Freundin hat mir das Leben gerettet.

F: Was macht das mit Ihnen, wenn Sie nach Schlafentzug und Drogenkonsum plötzlich im Koma liegen?

G: Wenn man nicht versteht, dass das eine Botschaft ist, dann ist man wirklich ein Trottel. Ich bin schon ein Trottel, aber nicht so ein Trottel.

F: Was heißt das konkret?

G: Dass ich die Vorfälle zuerst eher als lästig empfunden habe. Nun habe ich aber tatsächlich beschlossen, mein Leben umzustellen.

F: Aus diesem konkreten Anlass?

G: Genau. Oder sagen wir, das war ein Schlüsselmoment in meinem Leben, der zu einigen Entscheidungen geführt hat. Ich war nach dem ersten Ohnmachtsanfall davon ausgegangen, dass mein Körper trotzdem nach wie vor unkaputtbar ist und dass ich alles andere – konkret: Medikamente – trotzdem vertrage, in jeder Menge. Man hört so viel über Medikamente und Drogen und Wechselwirkungen, aber man hält das für Gerüchte, wenn man es nie erlebt hat, speziell wenn der Körper schon so viel mitgemacht und weggesteckt hat. Auf Beipackzetteln etwa liest man so viel Alarmierendes, das nie eintreten wird, dass man davon gar nichts mehr glaubt. Ich dachte mir lange, ich bin unverletzlich. Psychoaktive Substanzen hat die Natur ja erschaffen, damit wir sie konsumieren.

F: Was ist passiert?



Das vollständige Gespräch gibt es in Fleisch Nr. 39, jetzt im Zeitschriftenhandel oder über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
 

Erschienen im Herbst 2016
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