interview - Martina bachler

 

             Hallo, Leif Randt

Leif Randt schreibt Romane. "Planet Magnon" (Kiepenheuer & Witsch) ist nach "Leuchtspielhaus" und "Schimmernder Dunst über CobyCounty" sein dritter. Wir finden ihn toll.
Was siehst du, wenn du aus dem Fenster siehst?
Nordhessen im Frühlingslicht. Ich sitze im Zug.

Haast du heute schon etwas gegessen?
Ich habe spät gefrühstückt: zwei Karlsbader Croissants, drei Tassen Tee.

Bist du jemand, der immer dasselbe frühstückt?
Nein. Aber meistens Toast.

Wem galt heute dein erster Gedanke?
Ich dachte an meinen guten Freund Lennart. Ich hatte geträumt, dass wir auf niedrigem Niveau Billard spielen und uns dabei leicht angespannt über eine Reise unterhalten. Das hat sich im Traum irritierender angefühlt, als es jetzt klingt.

Kannst du von deinem Zimmer aus die Sterne sehen? Den Himmel?
Ich sehe nachts die Sterne und morgens den Himmel. Ich finde das gut und richtig so.

Alles wird gut

Verändert dich der Frühling?
Gestern dachte ich, er macht mich sentimental. Heute ist das Gegenteil der Fall. Alles wird gut.

Heute schon geschmunzelt, gar gelacht?
Ich habe unter der Dusche gelacht. Ich musste an eine Audiodatei denken, die mir jemand geschickt hat. Man hört darin einen berühmten MC, der in einem Interview von einem Alptraum erzählt: "Und dann war da so ein Kokon. Und da saß so eine Art... Schmetterlingsmensch drin. Und der hat der Person, mit der ich unterwegs war, bestimmte Sachen gesagt." Die Atempause vor dem Wort Schmetterlingsmensch ist entscheidend.

Womit bewegst du dich am liebsten fort?
In relativ leeren Schnellzügen. Und auf dem Rücksitz von Großraumtaxis.

Wir stellen uns dich als sehr entspannten, gelegentlich aus dem Fenster sehenden Fluggast vor. Warum?
Vielleicht seid ihr empathische Leser. Es stimmt jedenfalls.

Was wäre die eine Erfindung, die dein Leben sofort besser machen würde? Warum gibt es sie noch nicht?
Die Frage ist gut. Aber ich kann sie nicht beantworten. Auch nach fünf Minuten nachsinnen noch nicht. Das macht mich etwas traurig.

Früher war mit Theater unangenehm.

Nerven dich Menschen, die beim Toastbrot die Rinde wegschneiden?
Vor oder nach dem Toasten? Ich glaube, vor dem Toasten würde es mich gruseln, während ich es nach dem Toasten okay fände. Ich kenne aber niemanden, der das macht.

Wie findest du Theater?
Früher war mir Theater unangenehm. Ich hatte ein Fremdschamgefühl und wurde schnell müde davon. Mittlerweile setze ich Hoffnungen ins Theater. Vielleicht liegt das daran, dass ich viele Leute, die Theater machen, gerne mag.

Trifft man dich auf Flohmärkten?
Auf keinen Fall. Präziser: Seit 1994 nicht mehr. Damals war ich into Ü-Ei-Figuren. So wie die anderen Zehnjährigen aus meiner Gang.

Was machst du, sobald du den Quatsch hier beendet hast?
Noch gut zwei Stunden in diesem Zug sitzen. Meinen Rollkoffer zu Hause abstellen. Ein bisschen rennen. Blaue Stunde. Spring Break. Abends eine Freundin treffen.

Erschienen im Frühjahr 2015

 

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