interview - christoph hüttner

 

             Hallo, Max Edelbacher

Der Schnauzer. Du weißt, dass er dir steht – aber wie überzeugst du deine Freundin? Max Edelbacher, ehemaliger Leiter der Wiener Sicherheitsdirektion, hilft weiter.
Sehr geehrter Herr Edelbacher: Sie haben einen Bart, um den Sie viele Männer beneiden. Wie steht eigentlich Ihre Frau dazu?

Sie ist nicht wirklich begeistert, kann es aber tolerieren.

In all den Jahren konnten Sie Ihre Frau nicht davon überzeugen?

Nein, sie sieht das eher mit Abstand.

Und dennoch haben Sie es geschafft, ihn zu behalten. Was raten Sie jemandem, der in Bezug auf den Schnauzer beziehungsintern auf Widerstand stößt?

Wenn sich die Freundin partout dagegen wehrt, würde ich den Schnauzer weglassen. In meiner Lebensentwicklung hat es einfach gut gepasst. Ohne Schnauzer würde mich die Hälfte meiner Bekannten auf den ersten Blick wahrscheinlich gar nicht erkennen.

Seit wann haben Sie ihn schon?

Ich war ja erst nach meinem Jus-Studium beim Bundesheer. Damals ließ ich mir einen Schnauzer wachsen und seitdem hat sich nichts daran geändert.

"Unterbewusst liegen Schnauzbartträger einfach auf einer Wellenlänge."


Der Bart kam nie weg?

Nein, nein. In den letzten 40 Jahren hat mich der Schnauzer immer begleitet.

Ganz prinzipiell gesprochen, also, für unsere Freunde, die gerne einen Schnauzer hätten, aber noch ein bisschen Argumentationmaterial brauchen: Was spricht denn für einen Schnauzer?

Der Bart kann schon ein Markenzeichen werden, zumindest war das bei mir der Fall. Wenn mich Leute sehen, dann sagen sie gleich: Ah, der Edelbacher. Da spielt der Schnauzer sicher eine Rolle, auch wenn es vielleicht nicht so unverkennbar ist wie es das Kapperl beim Niki Lauda sein mag.

Das Marken-Argument, sehr gut. Und was spricht noch dafür?

Mein Schwerpunkt als Polizist waren Einvernahmen, da machen der erste Eindruck und eine gewisse Grundsympathie viel aus. Ich konnte damals meinen Schnauzer als Kommunikationsmittel einsetzen. Männer aus der Balkanregion oder aus der Türkei, die ja auch oft Schnurrbart tragen, haben mich deshalb positiv angenommen. Wer redet schon gerne mit der Polizei? Der Schnauzer symbolisiert Gemütlichkeit, das hilft. Unterbewusst liegen Schnauzbartträger einfach auf einer Wellenlänge.

Alleine um diesen Satz sagen zu können, würde sich ein Schnauzbart lohnen. Aber ist er denn viel Arbeit?

Ein Freund, mit dem ich seit 40 Jahren Tennis spiele, schneidet mir immer meinen Bart zurecht. Er geht jetzt nur leider bald in Pension. Aber ich kann mich auch selbst vor den Spiegel stellen und darum kümmern, wenn Bedarf ist. Früher war ja ein anderer Stil modern. Ich kann mich erinnern, dass man in den späten Sechziger und frühen Siebziger Jahren den Bart wie Dschingis Khan länger wachsen ließ. Irgendwann reduzierte ich das aber und seitdem versuche ich ihn eher kurz zu halten.



Erschienen im Sommer 2014. Fleisch Yellow Edition

 

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