interview - Martina bachler

 

             Hallo, Nicolas Mahler

Nicolas Mahler ist einer der arriviertesten heimischen Comic-Zeichner. Er veröffentlichte mehr als 20 radikal reduziert komische Bücher und zeichnet regelmäßig für internationale Qualitätsmedien. Eben erschienen seine Comic-Adaption von Thomas Bernhards „Der Weltverbesserer“ (Suhrkamp) und die Literaturbetriebssatire „Franz Kafkas nonstop Lachmaschine“ (Reprodukt).
Du hast Musils „Mann ohne Eigenschaften“ zu einem Comic adaptiert. Das heißt, du bist einer der wenigen, der das auch wirklich gelesen hat?

Die Literaturadaptionen kamen als Anstoß vom Verlag. Ich habe mir den Musil und den Bernhard ausgesucht. Es muss immer gut sein und schwierig. Ich habe den Bedarf nach Büchern, wo man im ersten Moment ein bisschen die Augen verdreht, wenn man sie sich als Comic vorstellt.

Ist es nicht eine unglaubliche Arbeit, das alles auf wenige Striche zu konzentrieren?

Es passiert recht unkompliziert. Mein Vorteil ist, dass ich so schnell bin. Ich stelle mir das unglaublich stressig vor, wenn jemand jahrelang an einer Sache sitzt. Ich mach das schnell. Für Thomas Bernhards „Alte Meister“ machte ich ein Jahr Skizzen und recherchierte. Bei Musil ging es schneller. Und normalerweise noch schneller.

Kennst du deine Leser?

Ja, und ich bin sehr glücklich über meine Leser. Den typischen Leser gibt es nicht. Sie kommen von überall her, und es ist vom 15-jährigen Halbwüchsigen bis zum steinalten Mann auf Krücken alles dabei. Gemeinsam haben sie, dass sie alle extrem uncool sind.

Es fällt gerade schwer, sich den alten Mann als pickeligen Nerd vorzustellen.

Ich finde Nerds gut. Ich habe zwar nicht total viele Leser, aber sie sind das perfekte Publikum. Sie sind alle sympathisch und entspannt. Manchmal auch verspannt. Aber jedenfalls keine Szenemenschen, und sie eint der Humor. Ich kann wirklich an einer Hand ablesen, dass ich Bücher von jemandem signiert habe, der irgendwie unangenehm war. Das gilt auch für meine Kollegen, da gibt es kaum jemanden, den ich nicht mag. Das sind alles Menschen ohne Maske.


Hast du so etwas wie ein Lebensziel?
Nein.

Eine Sehnsucht danach?
Vielleicht nicht mehr so grantig sein.

Das wird mit dem Alter ja immer einfacher.
Rückblickend kann ich mich nicht beschweren. Es hat ganz furchtbar angefangen, aber es hat sich alles gefügt. Als ich anfing, da war Comic in Österreich total tot. Es war nichts möglich, bis ich in Frankreich meine Nische entdeckt, und ich lasse sie gerade patentieren.

Wann wusstest du, dass das dein Beruf ist?
Nach der Matura. Dann habe ich zehn Jahre herumdilettiert, ich kann ja eigentlich nicht zeichnen, also nicht so gut. Das war eine Qual, aber es hat sich zum Positiven entwickelt. Und nicht zeichnen zu können, machte die Sachen anders interessant.

Was ist für dich heute anders als vor 20 Jahren?
Der Alltag. Ich habe zehn Jahre lang keinen Verlag gefunden, das nagt schon an einem. Die Sachen lagen dann so lange in einer Lade, die haben mich fast verfolgt, weil sie da nicht rausdurften, weil sie dann auch in meinem Kopf blieben. Wenn ich jetzt ein Buch an den Layouter schicke, habe ich es aus dem Kopf. Dann ist wieder Platz. Geändert hat sich das alles mit den Erfahrungen in Frankreich. Da fand jemand plötzlich gut, was ich tat. Mit mir und Österreich hat es nicht so richtig funktioniert. Heute finde ich das lustig.

Erschienen im Frühjahr 2014

 

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