interview - Martina bachler

 

             Hallo, Herr Humorforscher...

... bitte erklären Sie uns, warum wir offenbar jedes Mal lachen müssen, wenn im Film, im Theater oder auf sonst einer Bühne Männer in Frauenkleidern auftreten, weshalb im Film, im Theater oder auf sonst einer Bühne auch wirklich ständig Männer in Frauenkleidern auftreten?

Die meisten Theorien, die Komik erklären, haben als Kern, dass Dinge zu sammenkommen, die nicht zusammengehören, und das gilt auch hier. Mit allen möglichen Abweichungen von dem, das man kennt, haben wir die Chance, lustig zu sein. Wir wissen, wie ein Mann normalerweise angezogen ist. Ist er das nicht, gibt es einen Überraschungsmoment.

Das allein reicht schon?

Nicht alles Erwartungswidrige ist automatisch komisch. Manchmal muss dann auch noch irgendwas Großes plötzlich klein sein, etwas Wichtiges unwichtig werden. Vielleicht spielt hier die Vorstellung von Männern mit, die eigentlich Frauen sein wollen oder andersrum ihre weibliche Seite total ablehnen. All diese Überlegungen kommen ebenso hinzu wie die Frage, wie sich das anfühlt. Heute wird damit zwar kein Tabu mehr gebrochen, aber komisch kann das trotzdem sein.

Und das klappt wirklich jedes Mal wieder? Das nützt sich einfach nicht ab?

Dieses kleine Spiel bietet ja so viele Möglichkeiten. Es gibt den Moment des Auslachens, gerade wenn besonders dominant oder ernst wirkende Männer Frauenkleider tragen. Hier trifft man auf etwas sehr Privates, auf die Frage, bin ich ein Mann oder eine Frau, das kann natürlich noch zusätzlich Spaß machen. Und mit Stolpern und Ungeschicklichkeit lässt sich das noch Ausschlachten, man kann dem immer wieder etwas Aktuelles hinzufügen. Aber der grundsätzliches Mechanismus ist das Unstimmige, der falsche Gebrauch von Dingen, so wie wir lachen, wenn Kinder plötzlich vorgeben sich mit der Zahnbürste die Haare kämmen zu wollen.
Willibald Ruch ist Professor für Persönlichkeitspsycholigie und Diagnostik an der Universität Zürich. Er forscht zum Thema Humor. 2014 ist er auch Präsident der International Society for Humor Studies.



Erschienen im Winter 2013


 

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