interview - Martina bachler

 

             Hallo, Sibylle Berg

Sibylle Berg schreibt Romane, Theaterstücke, Essays und Kolumnen. Seit 1997 „Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot“ erschien, gibt es unzählige Gründe, sie und ihre Arbeiten sehr zu mögen. Im Herbst kam der Kolumnenband „Wie halte ich das nur alles aus?“ bei Hanser heraus. Wir haben Frau Berg – übrigens auch der klügste und lustigste Mensch der Twitter-Parallelwelt – mal ein paar Fragen gestellt (und uns das mit dem Du nicht getraut).
Was sehen Sie, wenn Sie aus dem Fenster sehen?
Einen Fluss, Bäume mit Schlingpflanzen, Berge, Hunde, Sonne.

Haben Sie heute schon mal einen Fuß vor die Tür gesetzt? Wenn ja: Warum?
Ich habe, um mal einfließen zu lassen, dass ich irre berühmte Freundinnen habe, Katja Riemann zum Zug gebracht. Danach habe ich eingekauft, es war eine seltsame Erfahrung, das Haus zu verlassen. Strange, aber irgendwie auch schön.

Spielt das Frühstück an sich in Ihrem Leben irgendeine Rolle?
Kaffee und Porridge, das man früher Haferflockenbrei genannt hat. Jeden Morgen um halb acht. Nein, ich bin nicht zwanghaft.

Worüber haben Sie heute schon geflucht?
Über einige Reaktionäre, die im Internet rumkrähten, aufgrund eines Artikels, den ich auf Spon veröffentlicht hatte. Mich gruselt der reaktionäre Backlash der Welt gerade. Dieses Angstschüren, Randgruppen-verantwortlich-Machen, Vorurteile-Aufbauen, das ekelt mich an.

Was hat Sie heute schon einmal lächeln lassen?
Der Mann, der mit Kaffee ans Bett kam am Morgen.
Es ist eine Charakterdisposition – albern oder nicht albern
Gibt es etwas oder jemanden, das oder der sie wirklich immer zum Lächeln bringt? Und warum nutzt sich das nicht ab?
Lächeln weiß ich gar nicht. Ich lache sehr viel, weil ich albern bin. Das nutzt sich nicht ab, weil es, glaube ich, eine Charakterdisposition ist – albern oder nicht albern.

Können Sie spontan ein nicht wertendes Wort für Menschen erfinden, die anderen Menschen damit auf den Geist gehen können, dass sie andauernd über den kalten Winter und den heißen Sommer et cetera jammern?
Klimabetroffenheit.

Kennen Sie eine Lösung für das Problem, dass Regenschirmknirpse schon vom kleinsten Wind völlig aus der Fassung gebracht werden?
Absolut, und ich lasse sie gerade patentieren. Es gibt drei Ansätze, wobei mir der erste am nächsten ist: Das Haus bei Regen nicht verlassen. 2. Einen dicken Schirm kaufen. 3. Kaputten Knirps gegen nichtkaputten in Restaurants austauschen.

Sind Sie als Kind in Regenpfützen gehüpft, haben Würmer gegessen oder in Weihnachtskeksen Kieselsteine versteckt?
Nein, ich hab nur tote Hamster vergraben und während der Verwesung wieder ausgegraben.

Machen Sie sich regelmäßig Notizen? Wie halten Sie sie fest?
Ja, diese berühmten Nachtnotizen, wenn ich meine, jetzt habe ich die Lösung aller Probleme gefunden und im Dunkeln aufgeschrieben. Am nächsten Morgen lese ich dann Sachen wie:

WELTORDNUNG.

Brauchen Sie zum Arbeiten Rituale?
Ja, es muss ein Fernseher laufen, zu dem ich nie schaue.

Haben Sie Angst davor, irgendwann altersmilde zu werden oder irgendwie fad im Kopf?
Ich glaube, das mit dem fade merkt man selber nicht. Das kann man ja bei anderen alten SchriftstellerInnen gut beobachten.

Haben Sie manchmal Angst davor, den Kopf zu verlieren?
Ja, auch dafür habe ich ein Patent angemeldet, hab es nur grade vergessen.

Was machen Sie eigentlich WIRKLICH, nachdem Sie auf Twitter „Gute Nacht“ geschrieben haben?
Zähne putzen, Badewanne, schlafen.

Was machen Sie, wenn Sie diese Frage beantwortet haben?
Weiter irgendwelchen Murks schreiben.

Erschienen im Winter 2014

 

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